Beim Fest für Demokratie und Menschlichkeit auf dem Fischmarkt begrüßte Bischöfin Kirsten Fehrs die mehr als 10 000 Teilnehmer: „Wie gut, dass ihr da seid und Haltung zeigt. Auch und gerade angesichts dieser dermaßen rohen, hemmungslosen Gewalt, die uns in den vergangenen zwei Tagen hier in Hamburg erschüttert hat! So ein unglaublicher Hass, solch eine Menschenverachtung – das hat nichts mehr mit Protest zu tun! Das ist zutiefst antidemokratisch. Auch deshalb zeigen wir Haltung. Für die Wahrheit unserer Werte. Vielleicht haben wir nie so klar wie heute erkannt, wie wichtig das ist! Und so verschieden wir ja nun wahrlich sind in unserem zivilgesellschaftlichen Bündnis von lauter Einzelpersonen – aus Kunst, Kultur, Sport und Kirchen, Parteien, Religionsgemeinschaften, Theatern – es ist für mich großartig zu merken, wie eindeutig wir gemeinsam einstehen FÜR eine offene, friedliebende Gesellschaft! Wir sagen: Demokratie – nicht verhandelbar! Menschenrecht – nicht verhandelbar! Meinungs- und Pressefreiheit – alles nicht verhandelbar! Und deshalb danke ich Ihnen, dass Sie sich uns angeschlossen haben, ein Zeichen zu setzen. Ja selbst ein Zeichen zu sein für ein friedliches, gewaltfreies, kreatives, kultursensibles, Lebensform-vielfältiges, interreligiöses und tolerantes, für das wahre Hamburg!“
Im Anschluss forderte Prof. Dr. Gesine Schwan in ihrer Rede unter anderem: „Wer sich immer noch im Ruf einer menschlichen Flüchtlingspolitik sonnt und praktisch allein auf die Festung Europa zielt, zeigt keine Haltung, sondern Heuchelei.“
Hauptredner beim Fest für Demokratie und Menschlichkeit war Bill de Blasio, Bürgermeister von New York: „Keiner der Anwesenden ließ sich von den Ereignissen der letzten Tage abhalten hier zu sein, als Symbol für die Demokratie, für eine offene Demokratie, für eine friedliche Demokratie. Sie verkörpern diese Demokratie. Wir sehen, dass die Stimme der Bürger und Bürgerinnen mächtig ist, wenn sie sich auf dem richtigen Weg organisiert. Seit der letzten Wahl finden in den USA die größten, friedlichsten Proteste in der Geschichte der USA statt. Wenn man auf diese Graswurzelbewegungen blickt, sieht man, dass die Menschen überall in den USA genau wie hier in Deutschland, Europa und der ganzen Welt auf lokaler Ebene eine neue Welt kreieren können, eine Welt, an die wir glauben. Das ist eine große Herausforderung, denn man kann diese Veränderung nicht in jeder Sekunde sehen. Aber seit der großen, friedlichen Protestbewegung von Martin Luther King wissen wir, dass ständiger, konzentrierter, leidenschaftlicher und friedlicher Protest Wandel hervorrufen kann.“
Mit den musikalischen Darbietungen der Hamburger Gruppe Emily’s Escape, der deutsch-amerikanischen Soulsängerin Bridget Fogle und dem Schauspieler und Musiker Julian Sengelmann ging ein friedlicher Protest zu Ende. Die Hamburger und Hamburgerinnen waren heruntergekommen vom Sofa und gingen auf die Straße für Demokratie, für sozialen Ausgleich, Minderheitenrechte und Klimaschutz. Sie zeigten Haltung.